
Lektion 1: Was ist ein Pferd?
Hast du dir schon einmal die Frage gestellt, warum Pferde auf der Erde sind?
Versuche die Frage einmal für dich zu beantworten, bevor du weiter liest.
Zum Reiten?
Deine Freizeit zu beschäftigen?
Dir Sinn zu geben ?
Als Liebesersatz vielleicht?
Heute möchte ich dir erzählen, wie ich Pferde im Verlaufe meines Lebens erlebt habe und immer noch erlebe:
Pferde sind Wachstums-Beschleuniger. Ich habe mit der Zeit gemerkt, dass sie "sprechen" können. Oder anders gesagt: als ich den richtigen Kanal gefunden hatte, konnte ich sie hören.
Es gibt zwei Kanäle, über die wir sprechen, hören und funktionieren können. Ähnlich wie beim Radio haben sie andere Frequenzen. Der eine ist der Verstandeskanal, der meistens mit Beginn der Schulzeit bis ins Erwachsenenalter gut trainiert wird. So gut, dass wir denken, es sei der einzige. Die Unbeschwertheit und pure Intuition des Kindes wird dabei überschrieben und somit der Herzenskanal zugeschüttet. Ein bisschen mehr oder ein bisschen weniger. Je nachdem, wie wir geprägt sind.
Pferde sind dafür da, uns wieder an den Herzens-Kanal anzuschliessen, wieder ins Fühlen zu kommen und in die Verbundenheit mit uns und allem Sein.
Sie arbeiten kontinuierlich daran, unser Bewusstsein zu erweitern und uns dazu anzuhalten, vollkommen auf der Erde anzukommen. Sie helfen uns, das zu werden, für was wir geboren sind.
Warum machen Pferde das?
Pferde sind Geistwesen in einem Pferdekörper, und wir sind Geistwesen in einem Menschenkörper. Du kannst das auch anders benennen. Auf jeden Fall sind wir auf der einen Ebene gleich. Auf dieser Ebene ist es den Pferden ein Anliegen, uns weiter zu bringen. Es ist ihre Berufung.
Dabei geben Pferde uns im Zusammensein auch Hinweise, wenn wir es nicht merken. Sie wiederholen "Lektionen" immer und immer wieder. Wenn wir es wahrnehmen können, und daran arbeiten, gehen sie zu einer weiteren Lektion. Wenn wir es nicht merken, bleiben sie bei der gleichen und machen weiter. Eine Lektion könnte zum Beispiel sein, dass wir lernen dürfen, Grenzen zu setzen oder zu uns zu stehen. Das zeigen sie uns dann als Pferd auf der Verhaltensebene, indem sie in unseren Raum stehen und wir üben können, unseren eigenen Raum für uns zu beanspruchen.
Ob wir das wollen oder nicht, überlassen die Pferde uns. Nie sagen sie, "du musst". Wir haben die Wahl, als was wir das Pferd "nutzen" wollen. Als Lehrer oder als Schüler, zum Reiten, oder zum Wachsen, oder für beides.
Pferde haben die grosse Fähigkeit, ganzheitlich zu "sehen" und stellen sich uns zur Verfügung, damit wir auch ganzheitlicher sehen, begreifen und handeln können. Sie übernehmen dafür bedingungslos Lasten, manchmal auch Schmerzen oder machen konkrete Handlungen, bis wir es erkennen. Sie geben uns Möglichkeiten und kreieren Situationen, die dazu dienen, dass wir aufwachen und merken, dass wir nicht nur ein Körper oder ein Verstand sind, sondern durch unser Herz mit allem verbunden.
Da sie kein Ego haben, sind sie frei von Erwartungen, Schuldgefühlen und Aufopferungen. Es ist für sie kein Aufopfern, uns zum Wachsen anzuregen, denn es ist ihre Berufung.
Wenn wir den Pferden zuhören, besteht die Schwierigkeit darin, unseren Verstand aus dem Spiel zu lassen. Denn der interpretiert die ganze Zeit, ohne etwas zu fühlen. Es gilt, den grösseren Zusammenhang der Botschaft der Pferde zu erkennen und ihn zu fühlen. Dafür müssen wir zuhören lernen.
Auf der körperlichen Ebene ist das Pferd aber ein Pferd, mit all seinen Instinkten und Verhaltensweisen. Die sind ganz anders als beim Menschen. Wenn wir da mit ihm arbeiten möchten, ist es von Vorteil, nebst der geistigen Ebene auch die pferdische Verhaltensebene zu verstehen.
Ansonsten sind Missverständnisse zwischen Pferd und Mensch sehr wahrscheinlich. Die zwei Ebenen, die Seelen- und die Verhaltensebene, schauen wir in der nächsten Lektion ausführlich an.
Um Meister der Kommunikation mit deinem Pferd zu werden - auf beiden Ebenen - gibt es für dich einiges zu lernen: die innere Sprache und Wahrnehmung will geübt sein, damit du nach innen wahrnehmen kannst und den „Pferde-Kanal“ hören kannst.
Das setzt voraus, dass du weg kommst vom „Wollen“. Das vom Verstand kommende „Wollen“ blockiert sowohl die Seelenebene (du hörst dann nichts) als auch die Verhaltensebene (da harmoniert es dann nicht). Das „Wollen“ loszulassen macht dich weich und bringt dich auf die Ebene des Herzens.
Wenn du mit dem Pferd ins Tun gehst, will es als Pferd verstanden werden, mit genau den Codes, welche Pferde untereinander handhaben und in einer pferdischen Echtheit und Klarheit.
Ich rede hier nicht von Konditionierungen. Jedes Pferd ist konditionierbar. Aber aufgepasst: damit schaltest du die Seelenebene aus, weil das Pferd über die Konditionierung „ausgetrickst“ wird in seiner Botschaft an dich. Es kann dann seine wahre Aufgabe nicht oder schlechter wahrnehmen.
Keine Angst, du musst nicht gleich alles können am Anfang. Aber es ist gut, wenn du es einmal gehört hast und dann entscheiden kannst, welchen Weg du gehen möchtest.
Und wenn du jetzt neugierig bist auf eine andersartige, innige Beziehung mit deinem Pferd, fangen wir gleich an zu üben.
Probiere Aus: Lerne zuzuhören und nichts zu wollen
Zuhören ist eine Fähigkeit des Weiblichen. Zum Zuhören gehört, dass du Nichts-tun und Nichts-Wollen kannst. Meistens will man mit einem Pferd sofort etwas tun, es putzen und dann ausreiten gehen usw. Weil der menschliche Verstand in der Zeit verhangen ist und sich abhängig davon macht.
Dann verpasst du aber viele kleine oder auch grosse Anliegen der Pferde, weil du ihm nicht zuhörst. Es kann so kein Miteinander entstehen, da das Pferd im Inneren gar nicht wahrgenommen wird.
Nach innen wahrnehmen setzt das Zuhören voraus, und dies wiederum setzt das Nichts-tun voraus, zumindest am Anfang. Und dann tritt Stille ein. Erst wenn Stille eintritt, und du sie aushalten kannst, wirst du „hören“ können.
Du wirst erkennen, dass dein Pferd noch etwas anderes ist als ein „schöner Klumpen Muskeln und Haare“, den du gerne magst.
In diesem Körper drin ist jemand, der selbst gesehen werden möchte und dir die Möglichkeit gibt, dich zu sehen.
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Übung: Nach innen wahrnehmen
Stell oder setz dich neben das Pferd, bis du innerlich still wirst. Beobachte deine Gedanken, wie sie dir vielleicht sagen wollen, dass du etwas tun sollst. Gehe nicht darauf ein.
Schaue das Pferd an und schliesse dann die Augen. Und dann schaust du das Pferd mit deinen inneren Augen an. Die sind in deinem Herzen. Atme da hinein. Vielleicht siehst du dann ein Bild, oder du spürst etwas. Lass dir dafür Zeit und sei nicht frustriert, wenn es nicht gleich klappt. Übe einfach regelmässig weiter, und du wirst sehen, dass du immer ruhiger wirst und immer besser nach innen wahrnimmst. Vielleicht siehst oder fühlst du dein Pferd plötzlich als jemand anderen. Oder vielleicht spürst du dich plötzlich als jemand anderen.
Natürlich kannst du diese Übung auch mit einem Menschen machen.
Nimm danach in der Arbeit mit einem Pferd wahr, was du fühlst, während du etwas tust (z.B Reiten oder Bodenarbeit). Kannst du dich dann fühlen oder ist deine Aufmerksamkeit nur auf das Pferd gerichtet? Was fühlst du? Erlaubst du dir diese Gefühle? Haben sie einen Einfluss auf das Pferd? Achte darauf, ob du bestimmte Gefühle gar nicht fühlen möchtest, sowohl im Pferd als auch in dir. Hast du vielleicht sogar gelernt, vor deinem Pferd deine Gefühle zu verstecken?
Warum wir diese Übung machen? Damit du anfängst, alles in dir zu fühlen. Denn das Pferd fühlt alles und zwar sehr schnell. Je mehr du selbst fühlen kannst, was in dir und dem Pferd vorgeht, desto weniger "muss" es dein Pferd zeigen, denn es zeigt dir unter anderem deine unterdrückten Gefühle, die dir im Weg stehen für eine harmonische Beziehung sowohl mit einem Pferd als auch einem Menschen.
Schreibe deine Beobachtungen oder Fragen auf, wenn du magst und wir besprechen sie am Ende des Kurses.
