
Lektion 4: Die Verbindung zum Pferd und zu dir
Verbindung ist nicht etwas, das Klick macht oder spürbar ist als ein „On“ und „Off“. Verbindung kommt auch nicht vom Kopf und ist somit nicht willentlich. Sie passiert aus dem Herzen heraus. Damit sie passieren kann, dürfen wir lernen, im Jetzt zu sein. Das ist etwas, das unser Verstand nicht kann.
Verbindung mit einem Pferd ensteht also dann, wenn du jenseits vom Verstand bist, bzw. ihm keine Wichtigkeit und Macht über dich mehr gibst.
Schon oft habe ich jemanden sagen hören, dass das Pferd sich nicht mit ihr/ihm verbinden will. Das gibt es aber nicht. Denn ein Pferd ist immer verbunden, auch wenn es dich nicht anschaut oder wenn es "nur" am Fressen ist. Alles in der Natur ist die ganze Zeit über „verbunden“, verbunden mit der Quelle, mit dem Herzen, mit der Urkraft. Pferde sind stets auf dem On-Kanal, während wir oft im Off-Kanal sind, dem Verstand. Der Verstand befindet sich immer entweder in der Vergangenheit oder der Zukunft. Er sagt zum Beispiel, was du gestern gemacht hast oder was du morgen machst. Er ist nie im Jetzt. Das ist da, wo die Verbindung aber statt findet und wo die Pferde leben. Pferde warten wahrlich darauf, dass wir auf "on" gehen mit ihnen.
Es gibt ein Indianerspruch, der besagt, dass der längste Weg, den wir im Leben gehen, 30 cm lang ist. Derjenige vom Kopf zum Herz.
Also hab Geduld mit dir. Wie man den Weg zum Herz und in die Verbindung findet, ist sehr individuell. Kennst du den Zustand des Seins, wo Zeit und Raum nicht mehr spürbar sind, alles miteinander verfliesst? Vielleicht wenn du ein Buch liest, etwas bastelst oder am Joggen bist? In diesem Zustand bist du am richtigen Ort. Dann sind deine Gedanken nicht mehr im Vordergrund. Dann erwartest du nichts von dir und nichts vom Gegenüber. Dann verschwimmt die Zeit und es ist egal, ob wir etwas erreichen oder nicht.
Dahin möchten wir: in dieses Sein jenseits von Leistung.
Pferde kennen nichts anderes als das Sein, das Jetzt. Sie können gar nicht Gedanken nachhängen, wie es uns oft passiert. Als Fluchttiere hätten sie sonst gar nicht überlebt.
Dazu ein Beispiel:
Wenn du in Verbundenheit ein Pferd frei „arbeiten“ möchtest, ist es wichtig, dass die Vorgänge der Körpersprache, die du anwendest, automatisch ablaufen und nicht aus dem Kopf. Etwa wie beim Auto fahren. Nur so kannst du dich gleichzeitig auf dein Herz konzentrieren. Bist du aber am Nachdenken, wie und wo du stehen musst oder du redest die ganze Zeit mit dem Pferd, dann wirst du die Verbindung verlieren. Reden, Schnalzen und Konditionierungen laufen meist ohne unser Bewusstsein ab, „es redet oder schnalzt mit uns.“ Dann bist du im Aussen und nicht verbunden. Das heisst, die Arbeit mit dem Pferd macht für das Pferd keinen Sinn. Ohne Verbindung bist du leer, ist alles leer, ihr könnt einander nicht mehr fühlen.

Probiere aus:
Herzatmung
Vielleicht hast du mit der Herzensebene schon gearbeitet. Das kann man auf vielfältige Weise tun. Wir probieren es hier mit der Atmung: Du kannst eine Zeit lang bewusst atmen, und dann bewusst ins Herz atmen, und das solange üben, bis die Konzentration auf den Atem stärker ist als auf die Gedanken. Versuche dich so wenig wie möglich zu bewegen und deinen Blick auf etwas zu richten und ihn da zu lassen. Wenn Gedanken kommen, schenkst du ihnen keine Aufmerksamkeit mehr. Versuche dies zuerst alleine.
Wenn du es dann in Gegenwart des Pferdes übst, versuche, dabei nichts zu tun. Nur atmen und beobachten. So kannst du dich besser konzentrieren. Erst wenn du es im Nichts-tun beherrschst, solltest du es im Tun auch versuchen.
Das Pferd wird diese Momente mit dir geniessen, denn du bist ihm dann sehr ähnlich, sehr nah und du erwartest nichts von ihm. Das heisst die Beziehung wird frei. Das gilt auch unter Menschen.
Fokus-Übung
Du führst ein Pferd am Halfter, gehst vor ihm. Dabei konzentrierst du dich zuerst auf deine Fusssohlen, danach auf deinen Rücken, danach auf dein Herz. Beobachte einfach, was passiert. Verändert sich etwas beim Führen, in dir, beim Pferd? Bleibt die Verbindung, wird sie besser, schlechter? Spürst du ewtas?
Wenn du magst, schreibe deine Erfahrungen auf.
Vielleicht findest du in deinem Leben andere Möglichkeiten, Verbindung mit dir selbst regelmässig zu üben: Yoga, Meditieren, Körperarbeit, Stricken, Malen oder was dir sonst gut tut.
Ich könnte dir hier noch viele Übungen vorschlagen, um Verbindung zu üben, aber belasse es bei der einen. Diese Lektion ist zentral und kann für dich und dein Leben sehr wertvoll und erleichternd sein, wenn du ins Jetzt gelangst. Allerdings ist es eine Lebensaufgabe. Also nimm dir bitte nicht vor, dass du es nächste Woche schon können musst. Bleibe beim Einfachen und übe nur das.
​
