Geschehen lassen – das Spiel mit dem Halfter

Geschehen lassen – das Spiel mit dem Halfter

Yuma zieht mich jeden Tag wieder in seinen Bann. In der Herde hat er die Tendenz, sich hinter den anderen zu verstecken. Dann äugelt er zwischen den Köpfen hervor. «Ich getrau mich nicht so recht.» Kaum stehen wir uns aber Auge in Auge gegenüber, ist eine ganz andere Energie spürbar, seine wahre Energie, ohne Schüchternheit. Mit seiner Mimik und kleinen, klaren Gesten zeigt er mir, wie weit unsere Beziehung fortschreiten kann. Anfangs war meine Idee nicht, ihm jemals ein Halfter anzuziehen. Keines der Wildpferde hier wird zu etwas gezwungen. Wenn sie wollen, dürfen sie frei sein. Einige lösen sich dann auch wieder aus der bereits menschengewohnteren Herde und gehen zurück in die Freiheit. Andere wiederum stossen aus ihrer Freiheit zu dieser Herde und bleiben, nähern sich von alleine den Menschen an. Diesem natürlichen Fluss zuzuschauen, und es einfach geschehen zu lassen, ist faszinierend.

Yuma fängt an, das Halfter zu beschnüffeln, das ich mir um die Hüfte gebunden hatte. Ok, so nehme ich es ab und fange an, ihn damit zu streicheln. Auf einmal sitzt es am Kopf, seine Miene immer noch dösend. Andere seiner Kollegen nähern sich an, und schauen, was er da am Kopf trägt. Ich nehme das Halfter wieder ab, gehe weg, komme wieder und ziehe es ihm wieder an. Keine Regung. Ich frage ihn, mitzukommen, auf einen kleinen Spaziergang durch die Herde. Neu mit Halfter. In unserer Seifenblase schwelgend, bewegen wir uns langsam und gemeinsam einem neuen Weg zu, einem Weg, der zeigt, wohin er führt. Denn beiden ist es uns egal, wir geniessen das Zusammesein…

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