Equi-Aventura '05


Equi-Aventura '05


Ein schwierigeres Unterfangen, als gedacht

Die Vorbereitungsphase

Im Mai 05 war's, als mich das Radio Sunshine anfragte, ob ich denn bei meinem Umzug von Spanien in die Schweiz meine Pferde nicht zu Fuss bringen möchte statt per Transporter, denn das gäbe einen lustigen Beitrag. Na, eigentlich war das nicht so geplant, aber man könne sich's ja mal überlegen...war die Antwort meinerseits. Und dann kitzelte es mich wieder, so wie es mich schon oft kitzelte, wenn mir solch komische Ideen im Kopf rum schwirrten. Wieso eigentlich nicht?

Obwohl schlussendlich das Sponsoring nicht rosig ausfiel, hatte ich mir den Gedanken schon zu fest im Kopf verankert, um wieder rückwärts zu entscheiden: dafür war der Kopf zu hart und die Abenteuerlust zu gross. Also auf geht's in die Planung!
Schnell waren meine Kollegen und Bekannten angerufen und bald war das Equiaventura-Team 05 zu meinem eigenen Erstaunen zusammengestellt. Jemand sollte jeweils das Wohnmobil meiner Eltern mit Heu und Hafer voll geladen fahren, jemand anders mitreiten, damit ich nicht mit 2 Handpferden reiten musste.

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Diese Jemand's kamen aber von so vielen verschiedenen Ländern wie Spanien, Holland, Deutschland und der Schweiz und mussten irgendwie terminlich und örtlich kombiniert anreisen. Die Kombination der An-und Abreiseorte war schon ein herausforderndes Unterfangen, aber dank der Flexibilität meiner Kollegen bald erfolgreich geplant. Ehrlich gesagt war ich in der Vorbereitungsphase am nervösten: Zollpapiere abklären, Veterinärämter anrufen, Material organisieren, das Wohnmobil auf Vordermann bringen, Karten und GPS organisieren und vor allem: die ROUTE PLANEN!! Ich weiss nicht wieviele Stunden ich am Internet und vor den Karten sass und mir den Kopf rauchig studierte. Und es stinkte mir: denn ginge es nach mir, wäre ich in Spanien losgeritten und hätte den Kompass nach Norden gestellt und jeweils nach 30km ein Nachtlager gesucht. Aber da waren ja noch andere dabei. Und einige wollten ALLES im voraus wissen, am liebsten schon im Mai, wann sie wo anreisen sollten und welche Temperatur es dann da wäre. Also ehrlich....(im Nachhinein: die Betroffenen sollen doch bitte mal die geschriebene Routenplanung zur Hand nehmen und zählen, wieviele Tag da übereinstimmen mit der wirklichen Route. Anm: man kann Zufälle nicht vorausplanen)
Trotzdem: ich plante brav und alle waren somit zufrieden.

In der zweiten Phase der Vorbereitung reiste ich schon mal nach Spanien zu meinen Opfern, Salva, Reina und Nando, und erzählte ihnen möglichst lange nichts. Jetzt kam die für mich wichtige Vorbereitungsphase: die Pferde trainieren. Und als sie dann von einem Tag auf den anderen plötzlich gesattelt wurden und ihre Kilometer ablaufen mussten, ahnten sie bestimmt bald was. Aber es wurde fleissig mitgemacht.
So weit ging noch alles gut.
Mitte Juli war es, als ich mit Nando dummerweise umfiel und er sich ein Loch in das rechtre Vorderknie machte. Die Verletzung schien erst harmlos, er lahmte auch nicht. Trotzdem verabreichte ich ihm Antiobiotika, damit keine Entzündung entstand. Das Training ging planmässig weiter. Doch etwa 2 Wochen nach dem Unfall kam der Schock: eines Morgens stand Nandoli mit einem Elefantenbein auf der Weide - einfach so - 10 Tage vor der geplanten Abreise. Was da einem alles durch den Kopf geht! Das Pferd wurde geschont, das Bein gekühlt und ich spazierte fast den ganzen Tag mit ihm rum, weil er die Geschwulst ablaufen musste: je mehr er mit kleiner Intensität lief, desto besser.


Langsam wurde die Zeit knapp. Ich hatte das Gefühl, gegen eine Zeitmaschine ankämpfen zu müssen. Die Mitreisenden hatten Ferien eingegeben und waren gebucht, Radio war schon bald auf Sendung, TV Español sollte vorbei kommen - der Druck war unheimlich.
Doch es sollte noch schlimmer werden: Salva erlitt einer Kolik, nachdem sie den Hafer zu hastig herunter geschlungen hatte. In ihren 22 Jahren hatte sie noch nie eine Kolik gehabt!! Und jetzt...? Glücklicherweise erholte sie sich schnell.

Und am Dienstag passierte es, das grosse Unglück: Ich wollte einer Kollegin mein neues Pferd vorführen und stolperte mit ihm dabei über eine Stange. Wir fielen zu Boden, aber falsch herum: ich unter dem Pferd. Erinnern kann ich mich nur noch daran, dass ich aufstand und die Schulter nicht bewegen konnte, dann half ich dem Pferd auf, untersuchte es auf Verletzungen - negativ - und fiel in Ohnmacht. Irgendwann nahm ich war, dass jemand nach einem Arzt schrie, und da war ich schon fast wieder hell wach. Meine Schulter war etwas besser, aber mein Bein schmerzte. Das stellt ich erst fest, als ich wieder auf's Pferd stieg und nochmals über die Stange sprang, damit es keine Angst davor hatte. Das ging gut, ausser dass mir das Bein weh tat. Dann ritt ich noch nach Hause, bevor ich die Hosen abzog und ein blau-rot-gelbes Knie in doppelter Grösse zum Vorschein kam. Das kann ja gar nicht wahr sein!

Ich sagte niemandem etwas, am Freitag war der Abritt geplant. Von Ärzten wollte ich nichts wissen. Am Mittwoch wusste ich beim besten Willen nicht, wie ich die Schubkarre mit Heu zu den Pferden hinauf befördern sollte. Reiten ging noch, nur auf- und absitzen nicht wirklich. Am Donnerstag überredete man mich, ein Röntgenbild zu machen - wieder ein grosser Fehler in meiner Arztlaufbahn: Ich kam aus dem Spital mit einem stramm eingebundenen Bein von der Hüfte bis übers Fussgelenk, damit ich auch ja sicher bei jeder kleinsten Unebenheit umfiel. Zu zweit hielten sich mich fest, um das Bein zu verkleiden, und der Arzt kam nicht um einige Schimpfworte herum. Er verordnete mir zwei Wochen Liegen mit hochgelagerter Haxe und später eine Untersuchung mit Magnetresonanz. Ich schmunzelte nur und dachte an zwei Monate Reiten mit vertikaler Beinstellung. Fast das Gleiche.

Morgen war Abritttermin. Meine Psyche war am Ende. Nando's Bein hatte meine Nerven schon stark beansprucht, war aber fast ganz abgeschwollen. Und meines...???

Zu Hause am Donnerstag Abend war es schnell gemacht. Ich brauchte nur eine Schere dazu und der Verband war weg. Zuvor hatte ich mir mit der Schubkarre und dem Pseudo-Gips fast das Bein gebrochen. Auf ein Pferd steigen war unmöglich. Meine mentale Verfassung war katastrophal. Alles drehte sich. Alles schmerzte. Der Druck war gross. Von Reiselust und -begeisterung konnte man nicht mehr sprechen, gesparte Kräfte und Energie für das Abenteuer waren nicht mehr vorhanden, die hatte ich in den letzten zwei Sorgewochen aufgebraucht.
Alles absagen? Einen Transporter bestellen? Alle Leute anrufen?

Eine schlaflose Nacht brauchte es, einige Tränen auch, einen Chipwechsel und viel, viel Stursinn, gegen die Ratschläge aller Leute zu entscheiden. Freitag Morgen. Ich befand mich schon humpelnd am Pferde satteln. Es ging los. Ich hielt es nicht mehr aus und wollte nur fliehen vor der Elendssituation. Die Zeichen für die Reise waren nicht sehr optimistisch gesetzt, schien es - aber es liess mich kalt. Nur die zahlreichen Freunde, die um 6.30 morgens schon angetreten waren, um mich zu verabschieden, rührten mich unheimlich.

Die Reise

Der erste Tag schon war sauanstrengend. Der katalanische Pferdeverein, der mir Geld zur Verfügung stellte unter den Umständen, dass ich mehrer Tage durch Katalonien reite, hatte mir die Route gewechselt. So musste ich zuerst rückwärts über die Berge richtung Barcelona reiten, um weiter unten gegen das Mittelmeer über die Pyrenäen zu steigen. Zum Glück ahnte ich nichts.

Ich kannte die Route des ersten Tages schon und wusste, dass es "happig" würde. Zum Teil war der Abstieg so steil, dass man absteigen musste und hinunterlaufen. Aber das ging ja eben nicht mit dem nicht-biegbaren Knie. Irgendwie gings doch. Wir kamen glücklich in St. Julia an.

Die nächsten Tage waren gezeichnet durch Termine mit Bürgermeister und TV, die mich an bestimmte Orte bestellten und dann doch nie aufkreuzten - verdammte Scheissmedienleute! Als ob man zu Pferd sehr flexibel wäre. Da stand ich also in Ripoll, einer grösseren Stadt, und wartete. Schliesslich kam ein mikriges Kommitée und teilte mir mit, dass alles abgeblasen wurde. Die Ausrede dazu war unbedeutend. Mein Zorn aber ziemlich bedeutend: Man hatte mich auf Umwegen in diese Stadt bestellt, wo ich auf dem Rathausplatz empfangen werden sollte und keiner tauchte auf. Da waren wir also und mussten selber schauen, wie wir durch das Verkehrschaos hindurch gelangten. Es war laut, stinkig und gefährlich, zwischen den Lastwagen einspuren zu müssen, um nach der Ampel abbiegen zu können. Und in der Aufregung musste Reina mal....mitten auf die Strasse. Dies kümmerte mich solange wenig, bis mich etwas weiter vorne die Polizei anhielt und mir wegen Reinas Versehen eine Busse geben wollte - ausser, ich würde den Haufen zwischen Autos und Lastwagen und Ampeln mit den Händen aufheben gehen. Meine Gesichtsfarbe wechselte wohl schon von rot zu grün, doch ich nahm mich zusammen, parkierte die Rössli neben einem Haus, suchte in einem Abfall einen Plastik und ging zwischen den Autos die Kacke aufheben. Dem Polizist verschaffte dies seine Genugtuung - es war ihm egal, dass ich beinahe überfahren wurde - und er liess mich ohne Busse weiter ziehen. In der gleichen Stadt wollte man mich noch anzeigen, weil ich auf einem Wanderweg mit Pferdeverbot ritt, obwohl ich eine Spezialerlaubnis hatte, und dann war das Fass wirklich randvoll. Eigentlich sollte ich mich ab so Deppen nicht ärgern, doch zusammen mit der Erschöpfung war alles viel zu viel - und das schon am 3. Tag der Reise!

Es konnte nur bergauf gehen. Und das tat es auch, aber nur geografisch!

Bald standen wir vor DEN Pyrenäen. Es sah schon auf der Karte ungemütlich aus, geschweige denn als man vor den Bergen stand.

Einer der schrecklichsten Tage meines Lebens stand mir zuvor. Er fing schon schlecht an: Salva ging vor dem Abreiten über die stolzen 2470 m lahm. Sie hatte sich einige Tage zuvor in einem Seil verheddert und leicht verletzt. Was für mich harmlos ausgesehen hatte, tat ihr jetzt weh. Ich gab ihr Entzündungshemmer und redete ihr gut zu. Das Wetter schien heute gut für die Überquerung, wir wollten die Chance nutzen. Denn der Pass, über den man nach Frankreich gelangte, konnte bei schlechtem Wetter gefährlich werden.

Erst ging alles gut, ausser dass ich nicht sicher war, ob ich auf dem richtigen Weg war, weil mir alles sehr schwammig erklärt wurde und ich nicht behaupten konnte, dass die Wege mit meiner Karte übereinstimmten. Trotzdem: durch Kuhweiden, Pferdeherden und unzählige Gatter schlängelten wir uns weiter nach oben - gefolgt vom gefährlichen Nebel. Wetterkunde ist nicht meine Stärke und ich konnte nicht gut beurteilen, ob der Neben unter uns bleiben würde oder uns einholte, doch er hielt abstand.

Und wir ritten weiter. Hinauf, hinauf, bergauf.
Fast ganz zuoberst konnte man sich nicht mehr an Wege halten, es gab nur noch freie Weidefläche und man musste sich an die Bergspitze halten.

Doch dann kam der Nebel.
Es war wahrlich der falsche Augenblick. Wir steckten in schwierigstem, steilsten Gelände und der einzige Orientierungspunkt da oben wurde uns vom Nebel verdeckt.

www.20min.ch/tools/suchen/story/21619575

... Fortsetzung folgt hier oder bald in einem Buch.


Caroline Wolfer, Reina, Salva, Nando und Equi-Aventura-Team



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