Aykin – die männliche Überraschung

 

Wir waren auf der Suche eines neuen Pferdes, weil Silver eine Leere hinterlassen hat. Und da hat noch jemand Platz. Bei Maultieren angefangen, über Haflinger zu Korrekturpferden landeten wir schliesslich bei einem 8-jährigen, rohen Berber-Araber-Hengst mit einem Herzgeräusch. Sein Anblick war magisch, faszinierend und liess ich nicht mehr los.

Schon lange habe ich in Träumen ein weisses, männliches Pferd gesehen, das eine spezielle Kraft beinhaltet. Aber ich wusste nicht, ob es Wirklichkeit war oder materiell werden sollte oder eben nur energetisch.

MIt der Unsicherheit seines Herzgeräusches und wie sich ein Hengst in meiner Herde verhalten würde, spürte ich dennoch, dass er zu uns kommen sollte. Zuerst mal auf Probe, sagte der Kopf.
Am Tag seiner Ankunft, am 19. April, kehrte in Innertkirchen eine neue Energie ein. Wider erwartet – denn er ist ein feines Gemüt und sehr anständig im Umgang – schlugen seine Hormone durch. Die Stuten flüchteten in die oberste Ecke des Waldpaddocks und wollte von solcher unkontrollierter Männerkraft nichts wissen. Lupo erwies sich als Vermittler, meist extrem souverän, manchmal überfordert. Nach drei Nächten im Stall schlafen, Zäune befestigen, neue Weiden machen und allerhand anderes, kam  Erschöpfung und Zweifel auf. Ist es richtig? Sind wir nicht alle überfordert? Was hat dies für einen Sinn? Werden sich die Stuten jemals für Aykin interessieren, der Grund, warum er Hengst ist und noch nicht kastriert. Die Ängste holten mich ein, ein schlechtes Gewissen und Mutlosigkeit.
Schlussendlich nahm die Trauer Einzug. ich war traurig, dass alles aus der Ordnung explodiert war. Von Aykin kam mir Trauer entgegen, weil er merkte, wie ich mit meiner Entscheidung schwankte.

In der ersten Sitzung aber mit einem Menschen, wo ich Aykin miteinbezug, war seine Energie und Präsenz dermassen gross, dass es uns beide nur erschütterte. Eine berührende, grosse Erschütterung einer Kraft, die wir selbst auch in uns spürten, aber nicht zu wagen getrauen. Wow!
Danach sattelte ich Aykin zum ersten Mal und ging spazieren. Er fand, das wäre alles ganz normal. Und als ich im Pferdepass sein Geburtsdatum nachschlug, war es der 19. Aprill, sein Ankunftstag!

Ich bin fasziniert und extrem gefordert vom Wechselspiel der Emotionen. Das Wunderschöne, Magische, Weiche, welches sich mit Agression, Ängsten und Trauer abwechselt. Obwohl ich mir gewohnt bin, mit Hengsten umzugehen, auch mit wilden, und diese in der Herde schon oft beobachtet habe, ist nun alles neu. Dies ist ein Hengst, der anscheinend nie mit Stuten zusammen war, also war für ihn auch alles neu. In der freien Wildbahn ist das ganz anders.
So ergibt sich hier ein spannendes Beobachtungsfeld zwischen Kontrolle der Hormone und das Zusammenspiel mit der weiblichen Energie.

Im Fluss bleiben und präsent, jeder Tag hat bis jetzt Neues gebracht. Wir lernen weiter, erfahren, erkunden und teilen alles sehr gerne mit allen Gwundrigen.

 

 

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