Leidenschaft und Hingabe
Die Begegnung mit Yuma – dem Wildpferd

Ein Jahr lang haben wir uns nicht gesehen, Yuma und ich. Dazwischen hat er in Freiheit gewohnt, inmitten der Steppe Patagoniens,
Nun stehen wir uns wieder gegenüber. Eine ungewöhnliche Ruhe kehrt in mich ein. Letztes Jahr durfte ich ihn einmal ein bisschen am Kopf streicheln. Was er mir dieses Jahr beibringt, weiss ich noch nicht. In diesem Moment ist es mir auch egal. Ich will nichts. Und ich habe nichts zu wollen. Sagte er mir letztes Jahr. Kaum eine Gedankenregung von einer Aktion, die ich ausführen möchte, und schon ist er wieder weg.

Also stehe ich da und sinke in mich hinein. Und damit sinke ich auch in ihn hinein und merke, dass wir uns sehr vertraut sind. Ich konzentriere mich auf dieses wohlige Gefühl der Vertrautheit, das mir doch eher fremd ist. Und schon steht er da, seine Nase nach mir ausstreckend, als schien er es zu bejahen. Er zeigt auf mein Herz und pustet da hinein. Und schon ist er wieder weg – und ich stehe da, verblüfft.

Wieveil Zeit vergangen ist, weiss ich nicht. Meine Füsse reichen bis in die Erdmitte hinunter. Keine Regung. Yuma kommt näher, steht neben mich. Wie nicht von mir gesteuert hebe ich die Hand langsam hoch, als wäre es gar nicht meine Hand, und sie streichelt Yuma an den Ganaschen, dann die Stirne, runter zu den Nüstern. Da bleibe ich, denn das ist ein sehr sensibler Ort. Er atmet aus. Kommt einen Schritt näher und fängt an, an meiner Schulter zu nagen, ganz fein, mit der Lippe. Wir ertasten unsere Körper, von einem Ort zum andern, manchmal führt er, manchmal ich. Kaum mehr auseinander zu halten, wer wer ist.

Inzwischen hat sich die ganze Herde um uns gesellt. Jeder möchte Teil dieser unendlich schönen Energie sein. Sogar die aufmüpfigsten, scheusten Tiere stehen ganz in der Nähe, schauen alle auf uns zwei, eingebettet in einer Seifenblase voller Hingabe. Ab und zu platzt sie, weil es ein Gerangel gibt zwischen Herdenmitgliedern, welche darum kämpfen, wer näher bei uns sein darf. Dann gibt es eine kleine Aufruhr, alles bewegt sich, bis Yuma und ich wieder wie ein Magnet zueinander finden, und wieder Ruhe einkehrt.

Das nichts müssen, nichts wollen ist ein ausserordentlicher Zustand jenseits von Raum und Zeit, der sehr viel Platz lässt, um etwas geschehen zu lassen. Irgend einmal entscheide ich mich, richtung Weide zu laufen. In aller Ruhe fängt die ganze Herde an zu grasen, und ich grase mit, einen Schritt nach dem anderen. Einen Schritt nach dem anderen. Einen Schritt nach dem anderen….

Diese Wocheh verbringe ich mit Yuma und veröffentliche weitere geteilte Momente. Falls du den Blog per mail erhalten möchtest, kannst du dich hier eintragen:  www.natural-horses.com 

Aus Liebe zu den Pferden

Caroline

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